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Fische | 02.05.10

Der Mythos vom 3-Sekunden-Gedächtnis

Das Internet ist heute eine unverzichtbare und häufig genutzte Informationsquelle für uns Aquarianer. Aber es ist auch eine Quelle von unzähligen Mythen, Märchen und Falschinformationen. So geistert immer wieder die These durchs Netz, Fische hätten ein Gedächtnis, das nur etwa drei Sekunden umfasst.

Ein Artikel von joe.

Mit dieser Behauptung kann man natürlich leicht das Leiden der Tiere beim Angeln verharmlosen oder die nicht artgerechte Haltung von Goldfischen in runden Gläsern. Mit einem Drei-Sekunden-Gedächtnis ausgestattet, würde ja der Goldfisch auch in einer völlig reizlosen Umgebung ständig Neues erleben und sich nicht langweilen.

Inzwischen gibt es aber viele wissenschaftliche Untersuchnungen, die
die Gedächtnisleistungen von Fischen zum Inhalt haben und dieses Märchen klar widerlegen:

In Israel wurden Meerwasserfische einen Monat lang in einer Fischfarm an ein akustisches Signal gewöhnt, nach dessen Ertönen es Futter gab.
Dann wurden die Tiere entlassen und das Signal im offenen Meer ausgestrahlt. Drei bis 4 Monate lang haben die Fische auf diesen Sound reagiert und sind zum Fressen gekommen.

Forscher in Nordirland haben nachgewiesen, dass Goldfische stundenlang den Ort meiden, an dem ihnen leichte Elektroschocks zugefügt wurden.

Phil Gee und Jothan Lovell von der britischen Plymouth University
wiesen nach, dass Goldfische lernen können, zu einer bestimmten Tageszeit einen Hebel zu drücken, um an Futter zu kommen, und ihr Gedächtnis eine Zeit von mehreren Monaten umfasst.

Culum Brown von der Universität in Edinburgh sagt: "Das Langzeitgedächtnis hilft Fischen, komplexe soziale Beziehungen aufrecht zu erhalten. Ihr räumliches Erinnerungsvermögen gleicht in jeder Hinsicht dem anderer Wirbeltiere und ermöglicht ihnen, sich kognitive Landkarten zu erstellen, die sie durch die Gewässer geleiten."

Jeder Aquarianer kann außerdem ganz praktische Erfahrungen machen, die das 3-Sekunden-Gedächtnis als Mythos entlarven. Bis vor einigen Monaten musste ich fast wöchentlich den Guppy-Nachwuchs aus meinem Becken heraus fischen, dazu überzählige, nachgewachsene
halbwüchsige Tiere. Inzwischen halten Bettas und Aplocheilus den Nachwuchs in Grenzen und ich muss keine Tiere mehr herausfangen.
Aber noch heute sind alle Guppys verschwunden, sobald ich die
Deckscheiben abnehme. Ein klarer Fall von Langzeitgedächtnis.
Fazit: Das Märchen vom 3-Sekunden-Gedächtnis ist praktisch und wissenschaftlich widerlegt und dient heute nur noch zur Rechtfertigung
von Tierquälerei und nicht artgemäßer Haltung.

Durchschnittliche Bewertung: 9.6 von 10 Punkten - 5 Stimmen

Kommentare

Hier können Community-Mitglieder Kommentare verfassen.

Kommentar

» Gepostet von Cory-Wels, 20.08.11, 09:22

Hi!
Tolle Arbeit hast du da geleistet! :thumb: :)
Ähnliches Verhalten kenne ich auch von meinen Fischen. Wenn ich vorbeigehe oder nach der Futterdose greife sind alle (bis auf die Welse) an der Wasseroberfläche.
Wenn ich den Stein, an den ich Zucchini und anderes Gemüse für die A-Welse festbinde, hinausnehme, beobachten mich die Zwei. - Beim reingeben vom frischen Gemüse erwartet er (sie wird vertrieben :rolleyes: ) mich schon an der Futterstelle.

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Kommentar

» Gepostet von GuPPYMasTeR3000, 20.12.10, 18:17

Mein Aquarium steht auf einen Schrank und da steht das Futter drin.Wenn ich den Schrank aufmache schwimmen alle schnell nach oben :D


:fisch: :fisch: :fisch: :fisch: :fisch:

_________________
Fröhliches neues Jahr ihr alle :)


Kommentar

» Gepostet von Kirkcy, 24.08.10, 11:29

Echt sehr guter Artikel!! :thumb:


Kommentar

» Gepostet von badisbadis, 24.08.10, 11:22

wow, sehr interessant, ähnliches Verhalten (Futterdose...) habe ich auch schon bei meinen Fischen beobachtet.

Sehr gut, dass endlich mal jemand angefangen hat die ganzen Aquaristischen Märchengeschichten aufzuklären! :thumb:


Kommentar

» Gepostet von AquaArt, 17.08.10, 20:52

Interessanter Artikel und wieder mal was gelernt. :thumb:

_________________
Einträge folgen.......


Kommentar

» Gepostet von AquaArt, 17.08.10, 20:51

Interessanter Artikel und wieder mal was gelernt. :thumb:

_________________
Einträge folgen.......


Kommentar

» Gepostet von Segelkrpfling, 24.05.10, 20:02

Hi Joe,
sowas beobachte ich ganz stark bei meinen Satanoperca jurupari und den Brochis splendens im 540er. Bei fremden Personen im Raum sind diese beiden Fischarten fast ständig versteckt. Kaum sind die Leute wieder weg, sind die Fische wieder wie augewechselt.
Dabei beobachte ich auch einige Fische die im Hintergrund versteckt sitzen und die Geschehnisse außerhalb des Becken beobachten.


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» Gepostet von multikulti, 24.05.10, 15:52

Ja, dass ist ein guter Artikel, immer wieder begegnet man Leuten die damit ihre Minibecken oder andere Sachen rechtfertigen.

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Kommentar

» Gepostet von Jann Schlaudraff, 17.05.10, 15:07

Super Artikel! :thumb:

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Bild


Kommentar

» Gepostet von Aquarianer94, 15.05.10, 15:27

Super guter artikel!

Hier mal ein Paar beispiele von mir:

Meine Zwergschwertträger die ich hatte sind immer wenn jemand am Aquarium vorbeiging vorne an die Scheibe gegangen und haben gebettelt.

Heute ist das auch so bei meinen Guppys.


Mein Kamnpffisch vertreibt die Guppys immer vom Fressplatz, wenn sie dann noch nicht ganz weg sind verfolgt sie der Kampffisch zu ihrem "Versteck" das er mitlerweile schon auswendig kennt und vertreibt sie auch von da.

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