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Als Anfänger bedarfsgerecht füttern
Humorvoller Erfahrungsbericht zum Schmunzeln
Ein Artikel von Gruberline.
Jeder kennt das. Die ersten Hürden sind genommen. Das Aquarium steht. Technik, Bodengrund, Deko, Pflanzen, Wasser – alles ist drin. Die Wasserwerte stimmen und der spannende Moment naht – der Einzug der ersten Fische. Und mit den ersten Fischen kommt man um die Frage „was und wieviel füttern“ nicht herum. Der Weg führt häufig zum Händler des Vertrauens, um dann ratlos vor dem 5 Meter langen Regel mit unterschiedlichen Futtermitteln unterschiedlicher Hersteller zu stehen. Was kaufen? Flocken, Chips, Hafttabletten, Granulat? Auf den meisten Packungen steht zwar „für alle Zierfischarten geeignet“, aber wieviel man davon füttert steht da leider nicht. Ratlosigkeit macht sich breit. Am besten man nimmt mal von allem was mit. Da kann man ja nichts falsch machen.
Wieder zuhause angekommen liest man doch mal im Buch oder Internet nach. Da kommt dann, je nach Quelle, der Hinweis: sparsam füttern, nur so viel wie in 2-5 Minuten gefressen wird. Tolle Aussage! Zwischen 2 und 5 Minuten liegen ja nur 180 Sekunden. Bei Hund und Katze geht das irgendwie einfacher. Da steht auf der Futterpackung immer eine Fütterungsempfehlung. Und was heißt überhaupt sparsam? Hören die Fische auf zu fressen, wenn sie keinen Hunger mehr haben? Na egal. Das wird sich schon finden.
Die ersten Fische ziehen ein. Und es ist (nein, es sind leider keine Welse) z.B. ein Schwarm Salmler. Nach der ersten Eingewöhnungsnacht soll es dann zum ersten mal Frühstück geben. Zuerst öffnet man mal die Packung mit den Flocken. Wieviel füttert man denn jetzt? Ist ein Teelöffel voll zuviel? Besser erst mal nur einen halben Teelöffel voll anfangen. Das Futter kommt rein, treibt lustig an der Wasseroberfläche. Ansonsten passiert erst mal nichts. Es verstreichen 2 Minuten, es verstreichen 5 Minuten. Ab und zu sinkt mal ein Flöckchen runter. Manchmal passen die Fische auf, dann wird gefressen, manchmal sinkt die Flocke unbeachtet zum Boden. Nach 2 Stunden treiben immer noch reichlich Flocken an der Wasseroberfläche. Die Fische sind völlig unbeeindruckt und ich langsam genervt. Nach einer weiteren halben Stunde mit dem Finger die Wasseroberfläche durchrühren, zum Glück haben wir Wochenende, sind glücklich alle Flocken versunken – und der Boden und die Pflanzenblätter gut bedeckt. Die Fische interessiert weder was an der Wasseroberfläche schwimmt, noch was am Boden liegt. Flocken die ihnen nicht genau vors Maul schwimmen werden nicht gefressen. So langsam erinnere ich mich da mal was gelesen zu haben. Da war doch was mit der Maulform? Irgendwo gelesen und auch gleich wieder als nebensächlich verdrängt. Man hat ja so viel zu beachten als Neuaquarianer. Aber Salmler fressen aufgrund der Maulform nur was ihnen vor die Nase schwimmt. Mit der Erkenntnis, das dass Füttern optimierungsbedürftig ist, gehe ich meiner Wege.
Der Abend naht und ich denke, ich versuche es mal mit so einer Hafttablette. Ob eine Hafttablette für 10 Fische reicht? Mal sehen. Also ausgepackt und so mittig an die Scheibe gepappt. Es haben sich auch alle Fische vor der Scheibe versammelt. Aber die Tablette bleibt unberührt. Ich sehe zu wie sie sich langsam auflöst. Die 2-5 Minuten sind schon lange rum. Die Fische versuchen den herunterrieselnden Futterstaub aufzufangen – nicht sehr erfolgreich. Also, so wird das auch nichts. Morgen muss das besser werden.
Die Sonne geht auf und gleich der erste Weg zum Aquarium - Fische füttern. Was sehe ich da. Die Fische mochten das überzählige Futter zwar nicht. Dafür aber eine ganzer Horde Schnecken. Ich wusste zwar, dass ein paar Schnecken mit den Pflanzen eingezogen sind, aber gleich so viele? Wo kommen denn die so plötzlich her? Schnell mal im Forum gefragt. Weniger füttern war die Antwort. Toll. Wie viel ist denn weniger und vor allem was kann ich dafür, wenn die Fische einfach nicht fressen wollen?
Heute gibt’s mal Granulat. Hab gleich das gekauft mit dem Futterspender. Ein Click reicht für 5 Fische steht da. Gesagt, getan. Click. Das Futter fällt rein, sinkt gut ab. Das ist schon mal gut. Die Menge ist allerdings schon bei einem Click so viel, dass selbst 10 Fische nicht in der Lage sind alles im freien Fall befindliche Futter wegzufressen bevor es den Boden berührt. Möglicherweise zuviel Strömung im Becken. Vielleicht klappt es besser, wenn ich den Filter zum Füttern ausschalte. Nein, bei mir klappt es nicht. Die Schnecken freuen sich über den reich gedeckten Tisch und ich verliere langsam die Lust. Das „Fische füttern“ wird doch immer als Höhepunkt, als Belohnung für getane Arbeit beschreiben. Bei mir ist das Stress pur. Das Granulat ist mir jedoch sympathisch und ich hole mir einen Kaffeelöffel aus der Küche um dann mit der Stielrückseite immer eine Prise Futter rauszuholen. Immer genau so viel, wie gefressen werden kann ohne das auch nur ein Korn den Boden berührt. Was bin ich stolz. Ich habe es endlich geschafft. Ich füttere, und füttere, und füttere. Und die Fische fressen, und fressen und fressen. Sind die irgendwann mal satt? Nach 5 Minuten reicht es mir und ich höre auf. Irgendwie sehen die plötzlich so dick aus? Komisch. Das nächste Mal wird es besser.
Fazit: Bis heute habe ich keine Ahnung wie viel Futter die richtige Menge ist, weil Fisch einfach kein Sättigungsgefühl entwickeln und quasi immer fressen. Aber mit der Zeit bekommt man einen Rhythmus hin, mit dem man leben kann. Es ist auch schwierig eine genaue Empfehlung zu geben, weil die Fische, je nach Größe, auch unterschiedlich viel Hunger haben. Aber auch wenn es am Anfang schwierig erscheint. In 1-2 Wochen hat man den dreh raus und der Schaden hält sich in Grenzen. Was machen denn ein paar zu viel Schnecken? Zum Glück sind sie da und bügeln die Fehler aus. Wäre es besser die Wasserwerte kippen weil das nicht gefressene Futter auf dem Boden und im Filter zu gammeln anfängt? Hat man die richtige Menge für seinen Besatz erst mal gefunden, reduziert sich die Schneckenanzahl von alleine. Übrigens ganz ohne chemische Keule.
Man sollte wissen, in welcher Wasserzone die Wunschfische fressen. Das macht die Futterauswahl leichter. Wichtig ist auch bei der Auswahl der Fische darauf zu achten, dass im Gesellschaftsbecken solche Arten gepflegt werden, die ihre Nahrung in unterschiedlichen Wasserzonen aufnehmen. An der Oberfläche, in der Mitte und am Boden. Füttert man als Anfänger dann doch mal zu viel, wird es leichter verziehen, weil in jeder Wasserzone jemand wartet und so bedient wird.
Flocken eignen sich gut für Fische, die an der Wasseroberfläche fressen. Was absinkt frisst die Mitte. Und was am Boden ankommt fressen die Bodenfische. Granulat wird gerne genommen von Fischen, die in der Mitte wohnen. Es sinkt schneller ab als Flocken und ist daher besser geeignet. Es mag durchaus Fische geben, die Hafttabletten toll finden. Wer solche Fische pflegt kann natürlich gerne auch mal eine Hafttablette verfüttern. Diese Hafttabletten werden allerdings auch gerne von den am Boden lebenden Fischen gefressen, sofern diese keine Vegetarier sind.
Bei uns gibt’s alles im Wechsel, und immer nur ganz kleinen Portionen 2 Mal täglich. Ich fange dann zu zählen an, wenn der erste Fisch gefressen hat. Die Portion sollte so groß sein, dass nach Möglichkeit nichts auf dem Boden aufkommt. Ist die kleine Menge weg höre ich auf zu zählen und zähle weiter, wenn ich die nächste Miniportion reingeworfen habe. Nach spätestens 120 mitgezählten Sekunden höre ich zu füttern auf. Das kann man auch mit Frostfutter so machen. Einfach im Teesieb unter fließendem Wasser auftauen und dann mit einem Löffelstiel in ganz kleinen Portionen aus dem Teesieb raus ins Wasser geben und brav mitzählen.
Durch die unterschiedlichen Futtermittel und wie sie sich verhalten wenn es auf Wasser treffen (Sinkfähigkeit), ergibt sich ganz natürlich immer, dass eine Fischart quasi fast leer ausbleibt. Das ist aber nicht schlimm. In der Natur gibt es auch nicht jeden Tag was zu futtern und im Becken befindet sich immer noch genug für uns Unsichtbares, was dann gefressen wird, wenn wir nicht neben dem Becken stehen und erwartungsvoll reingucken.
Also nur Mut und viel Spaß beim Fische füttern. Und wenn du erstmal mit der Hälfte der Menge anfängst, von der du glaubst, dass sie ok wäre, dann machst du sicherlich nichts falsch.
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Kommentare
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» Gepostet von Veronika, 15.04.09, 18:44
Hi Alexandra,
der Artikel ist ne Meisterleistung, den fand ich echt gut geschrieben, so kann Info verpackt werden.
Lieben Gruss Veronika
_________________ Ein Aquarianer der züchtet,hat immer ein Becken zu wenig. 
Tschüüüsss
Ich züchte/vermehre: diverse Grundeln ,Korallenplatys, Papageienplatys, Endlerguppys,Wildguppys und andere Lebendgebärende Arten,Welse Oryzia,Pseudomugilarten, div.Schnecken u red-fire und einige andere Garnelen, auch Ringelhandgarnelen
nehme gerne eure überzähligen Schnecken
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» Gepostet von Mopani, 15.04.09, 18:01
Super!Das Problem ist mir auch bekannt,ich füttere fast nur Flocken.Die sinken ab und alle sind glücklich.Welstabs mag keiner ,obwohl ich Welse habe...?vg Mopani
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» Gepostet von Ischtar, 15.04.09, 13:04
Wieso hast du den Artikel erst jetzt geschrieben??
Grins - toll gemacht. Und ich glaube irgendwo findet sich da ein Satz wo sich jeder denkt: Kenn ich, hab ich auch schon gehabt.
LG Ischtar
_________________ Lebe deine Träume - träume nicht dein Leben
Wenn du schon kein gutes Beispiel sein kannst, dann sei wenigstens eine grausame Warnung
mein neues Aqua [link]
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» Gepostet von eddiefreddie, 11.02.09, 19:41
Hallo
toller Artikel
für jeden Neueinsteiger hier im Forum zu empfehlen!
weiter so
Gruß eddiefreddie
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09.06.26 | 10:58 Uhr
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